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Tief beeindruckt hat mich die Rede den Bundesvorsitzenden Omid Nouripour beim Parteitag der Grünen voriges Wochenende in Bonn. Der gebürtige Iraner, der 1988 als 13-Jähriger mit seinen Eltern aus Teheran nach Frankfurt geflohen war, hatte die schwierige Aufgabe, die Delegierten u.a. auf die Waffenlieferungen an die Ukraine und die Laufzeitverlängerung von zwei, drei Kernkraftwerken einzuschwören.

Nouripour trifft beim Parteitag vor 800 Delegierten den richtigen Ton.

Dass die Friedens- und Menschenrechtspartei in der Regierung einmal solche Beschlüsse mittragen würde, nötigt mir Respekt ab und zeugt von deren Realitätssinn. Ich bedauere sehr, wenn die Partei für diese stringente Haltung von Träumern und Utopisten gerügt wird. Denn auch ich würde mir eine andere Welt wünschen. Aber Leben bedeutet – und das habe ich schon im Theologie- und Philosophiestudium in den 1980er Jahren gelernt: Sich die Finger schmutzig machen und schuldig werden.

Auch Adolf Hitler und seine Mitverbrecher konnten nur mit Panzern, Bombern und brutalster Zerstörung gestoppt werden. Das viele Verhandeln in den 1930er Jahren und die Appeasement-Politik von Engländern und US-Amerikanern hatten die Nazis als Einladung verstanden und den Alliierten als Schwäche ausgelegt. Und mir ist jeder materielle Verzicht bis hin zu meiner Versehrtheit lieber als der Verlust meiner Freiheit – und der Freiheit aller anderen. Auch wenn ich deren „Geschwurbel“ manchmal kaum ertragen mag.

Zum Dank werde ich vermutlich bei nächster Option meine Stimme(n) den Grünen geben. Ja, ich empfinde sie auch als „staatstragend“. Und ich glaube das Land und die Welt bei ihnen in guten Händen zu wissen. Weil neben der Freiheit für diese Partei die Ökologie an oberster Stelle steht. Annalena Baerbock hat als Außenministerin meine ganze Sympathie wieder, die sie sich in ihrem Wahlkampf mit ihren „Verschönerungen ihrer Biographie etc.“ verscherzt hatte. Ich glaube, sie ist jetzt bei sich und ihrer Wahrhaftigkeit angekommen.

Ich bin stolz, dass sie mich im Ausland repräsentiert und sich nicht feige vor Diktatoren weg duckt, weil es vermeintlich auch um Wirtschaftsinteressen geht. Und über Robert Habeck als Wirtschaftsminister zu spotten, der vermeintlich mit der Energiekrise überfordert sei, erzeugt auch eher mein Mitleid mit dessen Kritikern. Denn erstens gab es noch nie eine solche Situation wie die aktuelle und zweitens haben „meine“ SPD, allen voran „mein“ damaliger Kanzler Gerhard Schröder, aber auch die CDU samt deren langjähriger Anführerin Angel Merkel diese Abhängigkeit von Diktatoren-Energien erst hergestellt bzw. nie vermieden.

Ich habe bereits 1987 als mittelloser Student mit Freunden im Westerwald eine Windkraftanlage für 65.000 Euro realisiert, weil es uns zu wenig war, nur in Wackersdorf und Gorleben gegen Kernenergie zu protestieren. Die gesamte Volkswirtschaft hätte sich schon damals, spätestens aber nach dem Millenium regenerativ ausrichten können. Ja, ich bin froh, dass sich die Grünen jetzt in der Regierung die Finger schmutzig machen und hoffentlich bei künftigen Wahlen weiter zulegen bis zu absoluten Mehrheiten, damit Veränderungen zum Wohl unseres Landes und des Planeten schneller gehen.

Danke, Omid, für Deine Rede, die mich zu Tränen gerührt hat. Gerade an den Stellen, an denen Du die Gäste, die aktuelle Friedensnobelpreisträgerin (!!!) in eurem Auditorium begrüßt hast, oder an die mutigen Frauen im Iran und in Afghanistan erinnert hast, die in ihrem existenzbedrohenden Freiheitskampf zumindest auf unsere bedingungslose Solidarität hoffen dürfen sollten. Danke auch Ricarda Lang, all diesen perfiden Hass gegen Dich und Deine Person auszuhalten. Meine Unterstützung habt ihr. Es ist doch lächerlich, euch u.a. daran messen zu wollen, ob ihr (brav) euer Studium abgeschlossen habt. Eure Viten sind euer Diplom!

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