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Mehr als 40 Priester, darunter ein Kardinal und fünf Bischöfe, haben am Samstag auf dem Ellwanger Marktplatz vor der Kulisse von Basilika St. Vitus und Amtsgericht an der Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen (1642-1702) mitgewirkt. 3000 Katholiken aus der gesamten Diözese, darunter auch viele Ordensleute, feierten das Jahrhundertereignis mit, das Stiftschor und Stiftsbläser feierlich umrahmten. Unter strahlend blauem Himmel dauerte die Liturgie in praller Sonne von 10 bis 12 Uhr. Ich war zuvor mit dem knapp sechsjährigen Sohn meines Kollegen per Bahn angereist, um das außergewöhnliche Fest an der Jagst mitzufeiern, wo ich 1983 Abitur gemacht und von 1992-94 als SchwäPo-Redakteur gearbeitet hatte.

Schon als Gymnasiasten (1979-83) im Bischöflichen Konvikt „Borromäum“ hatte man uns den Jesuiten bekannt gemacht, der statt in die Mission nach Indien zu dürfen auf dem Schönenberg in Ellwangen in der Seelsorge seinen Dienst versah. Beerdigt ist das vierte von elf Kindern eines Bürgermeisters in der Basilika. Dass er ausgerechnet jetzt selig gesprochen wurde, hängt u.a. damit zusammen, dass die Volksfrömmigkeit seiner Verehrung im Virngrund nie aufhörte. Lebhaftestes Zeugnis ist eine jährliche Fußwallfahrt von Eichstätt, wo der selige Philipp getauft wurde, nach Ellwangen.

Katholisches Handgepäck: Ein broschürtes Liturgieheft und ein Festbier zum Mitfeiern.

Auch dieses Jahr hatten an der fünftägigen „Action Spurensuche“ vor allem wieder 70 junge Leute teilgenommen. Außerdem waren Katholiken im Dekanat stets rührig geblieben, die Seligsprechung in Rom voranzubringen. Nachdem 2011 dem Volksmissionar auf der Ostalb ein medizinisches Wunder zugeschrieben wurde, nämlich die Heilung eines austherapierten Krebskranken, setzte Bischof Gebhard Fürst im November desselben Jahres ein unabhängiges Kirchengericht aus Medizinern ein, die die Heilung prüfen sollten. Nachdem Papst Franziskus im Juni 2021 das Wunder anerkannt hatte, begannen die Vorbereitungen für die liturgische Feier vom vorigen Samstag.

Was mich persönlich beeindruckte: Die Ellwanger Gastronomen hatten sich zusammengetan, die 3000 Besucher unmittelbar nach dem Gottesdienst rund um den Platz zu verköstigen. Deren Speisung mit veganen Nudeln, Pizza, Gyros, Fleischkäs-Wecken und Salaten aller Art begann bereits wenige Minuten nach Ende der Feier. Dazu gab es gekühlte Getränke aller Art sowie ein eigens etikettiertes „Pater Philipp Festbier“ von der lokalen Rotochen-Brauerei aus der 0,33l-Glasflasche. Und statt sich mit Bezahlen aufzuhalten, standen überall Spendenboxen, in die die Euro-Scheine nur so hineinflatterten. Großmut und Vertrauen statt Krämergeist. Auch das ist das wunderbare Ellwangen. Vergelt’s Gott für den schönen Tag.

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