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Der US-Star-Geiger Joshua Bell, so erzählt es unser Ex-Kunde Prof. Jörg Knoblauch in seiner Kolumne im Aluminium-Kurier, hat sich an einem kalten Wintermorgen 2007 in einer gut frequentierten Metro-Station in Washington D.C. in gewöhnlicher Straßenkleidung platziert. Seine vier Millionen Euro teure Stradivari holte er aus dem Geigenkasten, den er geöffnet vor sich stellte, und legte los.

43 Minuten gab der Virtuose demnach ein Konzert, bei dem er das wiedergab, was er drei Tage zuvor in der Boston Symphony Hall von Bach, Schubert und anderen Komponisten der Klassik gespielt hatte. Dort hatten die Tickets 100 Dollar aufwärts gekostet und das Konzert war schon lange ausverkauft gewesen. Und was geschah nun in der Metro-Station?

Aufnahmen einer versteckten Kamera dokumentieren, dass 1097 Menschen während dieser 43 Minuten den Geiger passierten, den die Medien „Geiger-Gott“ und „Genie“ nannten und der mit Awards überhäuft wurde. In der Metro-Station aber blieben von knapp 1100 Passanten nur sieben stehen, Applaus spendete niemand und am Ende lagen 32,17 Dollar in etlichen Münzen in seinem Geigenkasten.

„So verpufft erstklassige Leistung in einer C-Umgebung“, resümiert der Kolumnist, der seinerseits ein gefragter Unternehmensberater ist, der Chefs und deren Mitarbeiter seit Jahrzehnten in As, Bs und Cs klassifiziert. Denn in seinem Denkmodell „ziehen“ nur die As „den Karren“, die Bs laufen nebenher und die Cs sitzen sogar oben drauf. Eine seiner Thesen: Viele As geben ihr Bestes, werden aber in der falschen Umgebung nicht gesehen.

Sein Beispiel des Geigers gefällt mir auch deshalb so gut, weil ich mich selbst darin erkenne. Als Gestalttherapeut und Männer-Coach beherrsche ich mein Handwerk und liefere nachgewiesenermaßen beste Ergebnisse in meist recht kurzer Zeit. Mich Firmen aber als Problemlöser anzubieten, verläuft sehr oft wie das Andienen von Sauerbier. Dabei habe ich zwei Gründe identifiziert: Vor mir waren bereits so viele „Führungskräfte-Coaches“, „Trainer“ und „Teamentwickler“ – ohne nennenswertes Ergebnis – im Unternehmen, dass der Auftraggeber schlicht den Glauben an Veränderung aufgegeben hat.

Oder: Der Unternehmer spürt, dass mit mir Veränderung kommt, möchte sich und seinen Mitarbeitern aber diese Transformation nicht zumuten. Denn das vertraute Elend mit all seinen charakterlichen Defiziten ist bekannt und „irgendwie geht es ja doch irgendwie“, dass man lieber im alten Trott bleibt als sich zu neuen Höhen und Qualitäten aufzuschwingen. Ein bißchen ist es wie in der Bibel, wo Jesus rät, „die Perlen nicht vor die Säue zu werfen.“

 

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