Starke, gottesfürchtige Frauen: Ordensschwestern halten Kurs auf Gottes Menschenliebe.

Die Barmherzigen Schwestern von Untermarchtal, eine Ordensgemeinschaft der Vinzentinerinnen, macht ihrem Namen alle Ehre: Elf der 31 Ordensfrauen, die im Marienhospital in Stuttgart arbeiten, ließen sich stellvertretend für die gesamte Gemeinschaft auf der Treppe des Altbaus mit einer Regenbogenfahne ablichten. Die Botschaft: Wir solidarisieren uns mit der Initiative #OutInChurch für eine „Kirche ohne Angst“.

Das Bild war vierspaltig am 8. Februar in der „Stuttgarter Zeitung“ abgebildet, nachdem es bereits Tage zuvor viral durch die Sozialen Medien gegangen war und dort auf großen Zuspruch traf. Es war die Reaktion der Ordensfrauen, die teils schon über 80 sind und seit Jahrzehnten Gott und den Menschen treu und in Ehelosigkeit dienen, darauf, dass sich 125 kirchliche Mitarbeiter als homo- oder transsexuell geoutet hatten.

Im Stillen hatten die Betreiberinnen der Klinik schon längst geduldet, dass hier schwule Ärzte arbeiten, lesbische Krankenschwestern, wiederverheiratete Pfleger oder Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, weil ihnen diese Institution dazu zuvor viele Anlässe gegeben hatte. Nun stellen sich die Ordensfrauen schützend und öffentlich vor die queeren Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung von ihrem Arbeitgeber bislang diskriminiert wurden – auf Basis des Kirchenrechts und der Theologie.

Ich bin selbst Theologe und ertrage kaum mehr, wie sich bis zu Altpapst Benedikt XVI Kirchen-Funktionäre drehen und winden statt vor Scham zu schweigen oder in Demut ihr Versagen einzuräumen und um Verzeihung zu bitten. Das wäre jesuanisch – und glaubwürdig. Spätestens jetzt hätte der frühere Kardinal Josef Ratzinger die weiße Soutane, die dem Papst vorbehalten ist, ablegen müssen. Erstens aus Demut, weil Franziskus seit acht Jahren Papst ist, und zweitens aus Anstand, weil er nicht würdig ist, dieses Symbol für die Stellvertreterschaft Christi auf Erden zu tragen.

Macht weiter so, ihr alten, verschrobenen Männer, dann geht nach euch das Licht aus. Als Katholik glaube ich, der Heilige Geist Gottes weht längst woanders mehr. Mit eurer juristischen Haarspalterei habt ihr Gott aus euren Herzen vertrieben und die Menschen aus seinen Kirchen. Jesus hat einst versucht, die Herzen der eifrigen Pharisäer und Hohepriester des Judentums zu erreichen. Vergeblich. Sie haben ihn beseitigt. Nun beseitigt ihr euch selbst.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Welt ohne euch besser wird. Dafür stehen schon zu viele Esoteriker, Sektierer, Narzisten und „Querdenker“ in den Startlöchern, die euch in ihrer Besserwisserei und ihrem Eifer in nichts nachstehen. Sie bringen neues Elend über die Menschen. Aber dann wenigstens nicht mehr im Namen Gottes. Danke, ihr Barmherzigen Schwestern. Ihr macht sichtbar: Wir sind das Volk (Gottes). Mit brüderlichem Dank, ein zutiefst deprimierter Katholik.

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