Ist vielen Angriffen wegen ihres Äußeren ausgesetzt: Die neue Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang.

„Tanzende Fleischwurst“ oder „Burger-Friedhof“ nennen Männer, die nicht mal den Mut haben, mit ihrem Namen und ihrem Foto (vielleicht sind sie dick und hässlich?) zu ihren Schmähungen zu stehen, die neue Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, in den asozialen digitalen Medien. Okay, die 28-Jährige, die für den Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd seit der jüngsten Bundestagswahl im Parlament sitzt, ist korpulent. Na und?

Seit wann besteht zwischen Intelligenz und politischem Sachverstand, z.B. Diplomatie, Beharrlichkeit, rasche Auffassungsgabe, Allgemeinbildung, und äußerer Schönheit ein Zusammenhang? Es spricht im Gegenteil für die Brillianz dieser jungen Frau, trotz ihrer Optik Ende Januar zur jüngsten Bundesvorsitzenden einer Regierungspartei in der Nachkriegsgeschichte gewählt worden zu sein. Und es spricht für die Delegierten, sich von dem seit Jahrzehnten aufsteigenden Schönheitswahn nicht behindern gelassen zu haben.

Oder vielleicht doch ein bißchen? Denn obwohl ohne Gegenkandidatin, kam die Tochter einer einst alleinerziehenden Mutter „nur“ auf 74 Prozent. Ihr männliches Pendant Omid Nouripour dagegen, trotz zweier Gegenkandidaten, bekam 83 Prozent der Stimmen. Bei Lang begründeten die Medien dies einhellig mit ihrer „linken Positionierung“, was aber alleine nicht stimmen dürfte. Ich unterstelle auch hier Bedenken gegen „eine Dicke“. Denn dieses Klischee sitzt doch sehr tief. Warum deshalb nicht auch in Teilen der teils spießig gewordenen Grünen?

Ich bedauere sehr, dass diese Diskussion der Vorverurteilung, Ausgrenzung und Diskriminierung „auf dem Rücken“ dieser eloquenten Frau geführt wird. Denn im Kern, auch wenn sie eine „öffentliche Person“ ist, ist es eine maßlose Unverschämtheit, diese Äußerlichkeit bloßzustellen. Als Gestalttherapeut und Männer-Coach möchte ich deshalb hier sagen: All diese Männer, die mit ihren Beleidigungen – und dann noch anonym wie feige Heckenschützen – diese starke Frau diskreditieren, herabwürdigen und im Kern zerstören wollen, sagen mit ihrem Tun am meisten über sich selbst.

Solche Männer hassen sich selbst; haben keinen Selbstwert und „bekommen“ erfahrungsgemäß auch nie ihre Traumfrau mit den Idealmaßen, den braunen Augen und dem ebenmäßigen Gesicht – die dann noch annährend so differenziert wäre wie die Geschmähte. Diese Männer sind Verlierer, die andere in den Dreck ziehen müssen, um dadurch eventuell das Gefühl zu erlangen, in irgendeiner imaginären Hierarchie nicht an unterster Stufe zu stehen.

Als Männer-Coach und Therapeut lade ich diese Männer ein, meine Gruppen und Workshops zu besuchen oder ins Einzel zu kommen. Hier können wir gemeinsam anschauen, welche Verletzungen und Demütigungen ihnen Vater, Mutter oder Lehrer – oft schon seit frühester Kindheit – angetan haben. Denn in Wahrheit sind solche Beschimpfer, Erniedriger und Schläger Opfer. Die gute Nachricht: Auch „Opfer“ können schön sein. Was die Welt braucht, ist Liebe.

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