Didaktisch-visuell gut aufbereitet: Blick in das Buch bzgl. kWh-Ertrag (l.) und Flächenbedarf (r.) je regenerativer Energieform.

Mit „Erneuerbare Energien zum Verstehen und Mitreden“ legt das Autorenquartett um den Professor für theoretische Astrophysik, Harald Lesch, ein Fachbuch vor, das allgemein verständlich sämtliche Formen regenerativer Energieversorgung in ihrer Wirkweise vorstellt. Dabei visualisiert das 173-Seiten-Buch aus dem Bertelsmann-Verlag auch die Potentiale von Sonne, Wind, Wasserkraft oder Biomasse in unseren Breiten.

Für die Visualisierung des leicht verdaulichen Buches, das stark an die „Sendung mit der Maus“ erinnert, haben sich die Autoren ein Designteam an Bord geholt, das die physikalische Materie etwa in Form von unterschiedlich farbigen Fahrradfahrern als Rechnungseinheit optisch aufbereitet. Dabei ist die Maßeinheit ein Fahrradfahrer, der zehn Stunden täglich 365 Tage im Jahr in die Pedale tritt.

Zweite Bezugsgröße, was sich beim Lesen fast unbewußt erschließt, ist der Tages-Pro-Kopf-Verbrauch von 85 bzw. 120 Kilowattstunden, die ein Bundesbürger – je nach Rechenart – statistisch hat. Damit hat der Leser schon alle Zutaten, um die Effizienz einzelner Energiequellen zu erfassen. Die werden wiederum topographisch (Gefälle bei Wasserkraft), metereologisch (Windstärke, Sonnenscheindauer) oder biologisch (Wachstumsgeschwindigkeit von Pflanzen) sowie bzgl. ihres Flächenbedarfs (z.B. Biomasse) oder ihres natürlichen Vorkommens (z.B. Küstenlänge) ausgewertet.

Was hier beim Schreiben sehr technisch klingt, ist – ähnlich wie „bei der Maus“ – wirklich leicht konsumierbar, wenn man sich darauf einlässt. Versprochen. So lautet die Quintessenz, dass Wind (off- und onshore) 40 der benötigten 85 KWh beitragen kann, Sonne 28, Biomasse zwölf und Geothermie acht. Wasserkraft dagegen nur ein Prozent (mangelnde Häufigkeit benötigter Fallhöhen) und Gezeiten und Wellen an der Küste gar nichts (wegen flacher Küsten und Seefahrt).

In dieses Fazit sind die Flächenbedarfe und -verbräuche bereits eingerechnet, was auch die Frage der Machbarkeit beantworte und somit der Politik wertvolle Hilfestellung bietet. Und da mit 89 KWh pro Kopf und Tag noch immer eine Lücke von 31 KWh zu unserem heutigen Verbrauch bleibt, liefern auch diese Antwort die Autoren mit: Wir müssen vor allem Energie sparen, d.h. sie effizienter einsetzen; wir müssen die regenerativen Energien konsequent ausbauen und wir müssen international kooperieren, weil z.B. in der Wüste auch Wind weht und die Sonne deutlich mehr scheint.

Ein sehr intelligentes Buch, das auch auf die Speichertechnologien eingeht (und die Atomkraft), dem ich mehr Leser wünsche, damit häufiger weniger unqualifiziert herausgequatscht wird. In unserer Demokratie, in der ja alle gehört werden sollen, kämen wir dann deutlich schneller voran. Leicht wird es ohnehin nicht. Aber die Energiewende ist machbar. Das ist die gute Nachricht dieses broschürten Buches.

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