Die Vorträge beim „Green Day“ von Riempp interessieren die Entscheider im schwäbischen Mittelstand.

Während beim Weltklimagipfel in Glasgow aktuell die Regierungen über das Erreichen der Klimaziele diskutieren, um der Menschheit in den nächsten 100 Jahren das Überleben zu sichern, sind die Technologien bereits vorhanden und praktikabel, unser Leben und Wirtschaften CO2-neutral zu gestalten. Ein aktuelles Beispiel für solche CO2-reduzierenden Maßnahmen ist mir vorige Woche beim „Green Day“ der Firma Riempp GmbH in Oberboihingen begegnet.

Der Elektrotechnikspezialist hatte 80 Inhaber, Geschäftsführer, Verantwortliche für Energie, Anlagen und Gebäude sowie freie Energieberater und Repräsentanten von Fachverbänden und Berufsschulen zu Gast, die sich alle für Software-Lösungen zum Energieeinsparen interessieren. Entsprechend waren Produktionsbetriebe wie ein Elektrowerkzeugbauer oder ein Modelleisenbahnbauer vertreten, Automobilzulieferer, Lebensmittelhersteller und Projektentwickler aus der Immobilienbranche, die alle Kostensicherheit brauchen bei Einkauf und Erzeugung ihres Energiebedarfs, Stichwort steigende CO2-Steuer, und geringe Verbräuche für ihre Öko-Audits, um als Geschäftspartner attraktiv zu bleiben.

Entsprechend gut besucht waren die Vorträge zum Energiemanagementsystem Emsyst 4.0, das Riempp seit 2015 selbst entwickelt und verfeinert hat, und dem e-HCP, das nur absoluten Fachleuten etwas sagt. Letzteres befasst sich mit den 50 Sinuskurven, die pro Sekunde entstehen, wenn Strom fließt. Da in den Zyklen Strom genommen und gegeben wird, wenn alle Parameter stimmen, können Maschinen und Anlagen bis zu einem Fünftel weniger verbrauchen, wenn e-HCP installiert ist.

Inhaber Friedrich Riempp: „Die Lösung kostet je nach Größe 50.000 bis 350.000 Euro und amortisiert sich in zwei bis vier Jahren.“ Dem Anbieter liegen offenbar bereits Bestellungen in Millionenhöhe vor. So habe allein eine große Druckerei bereits die Softwarelösung im Wert von über einer Million Euro bestellt. Riempp garantiert jedem Kunden zwölf Prozent Einsparung, es würden aber auch Effekte bis 20 Prozent erreicht.

Der Unternehmer: „Wenn die Betriebe in dieser Größenordnung Strom einsparen, werden auch etliche Trafos überflüssig.“ Von diesen hätten viele Firmen je nach Wachstum oder Anforderungsprofil einen bis acht oder zwölf. Ein Trafo, so Riempp, verbraucht seinerseits Strom für bis zu 50.000 Euro pro Jahr. Der Oberboihinger: „In dem Thema ist also ziemlich Musik drin und es zeigt, dass wir bei konsequentem Handeln die Energiewende sehr wohl bis 2030 schaffen können – und zwar weitgehend ohne Komfortverlust.“

Das Thema sei aber sehr beratungsintensiv und pauschal Zahlen zu nennen sei quasi fast immer falsch. So sind auch Banken ein riesiger Markt, obwohl sie nichts herstellen. Aber die elektronische Dienstleistung verbrauche Unmengen Strom, was wiederum viele Trafos erfordert, um auch bei Störfällen servicefähig zu bleiben. Für Mai 2022 plant Riempp einen zweiten „Green Day“. Hintergrund ist auch, dass die Firma derzeit dermaßen gut ausgelastet ist, dass sie die Nachfrage ohnehin kaum bedienen kann.

Ähnliche Beispiele kenne ich aus den Bereichen Bauen, wo längst Beton aus Bauschutt herstellbar ist, und beste Erfahrungen auch im großen Objektbau mit Holz, Lehm (z.B. die Alnatura-Zentrale in Darmstadt) oder mittlweile auch mit Hanf oder Stroh vorliegen, die mit natürlichem Harz gehärtet werden. Und Eisspeicher, Geothermie aus der Erdoberfläche, PV, Windkraft oder Biomasse und Smart Grid (siehe Riempp) machen die Gebäude mit geschlossenen Kreisläufen für Alu, Stahl, Glas, Textilfasern etc. zu gut demontierbaren Materiallagern für künftige Gebäude oder zu kompostierbaren Null-Emissionshäusern.

Dasselbe gilt für die Mobilität. Und worauf warten die Politiker? Warum steht in den Tageszeitungen (für die Endkunden!) über diese Alternativen noch immer so wenig? Warum kommunizieren die Verbände in ihren Kammern und Bezirken nicht mehr, was ihre jeweiligen Innovationsträger an Lösungen bereits praktikabel gemacht haben? Welche Lobby welchen Kapitals behindert den Wandel tatsächlich und stiftet mit erkauften Auftragsgutachten Verwirrung? Sicher geht es auch viel um Bequemlichkeit, wo Architekten, Baustoffzulieferer etc. keine Veränderung wünschen und Käufer/Investoren, die nicht als Erste ins vermeintliche Risiko gehen wollen („haben wir schon immer so gemacht!“; „wo wurde ein solches Projejt schon in Holz (in Stroh etc.) realisiert?“). Unsere Faulheit und unser Sicherheitsbedürfnis kosten uns vermutlich das Leben.

Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin
Wenn euch gefällt, was ihr gelesen habt, dann teilt es doch mit euren Freunden und Bekannten!

1 Comment

  1. Ralf Hokenmaier

    Und jetzt noch über die Quadratmeter der Wohnungen, Häuser und Firmengebäude nachgedacht und es wird schon beim Bau viel Energie gespart. Die durchschnittliche qm Zahl steigt ja nach wie vor.

    Dein Bericht hat mich fasziniert, tolle Sache

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.