Humannoid ist das Buchprojekt des Berliner Paar- und Sexualtherapeuten Eilert Bartels, das 2019 im Verlag Böhland & Schremmer erschienenen ist. Auf 336 Seiten mit rund 160 Fotografien interviewt der 53-Jährige darin 16 Männer zwischen 26 und 75 Jahren zu ihrer sexuellen Identität und Verletzlichkeit.

Eine von 160 Fotografien in dem 336-seitigen Werk huMANNoid.

Bedingung war auch, dass sich die Männer nackt von einem Profi-Duo fotografieren lassen, ohne geschminkt zu sein, ohne dass die Bilder in Photoshop bearbeitet/geschönt werden und ohne dass Posen oder Themen vorgegeben wurden.

Dadurch entstanden Zwanglosigkeit, Intuition, Ästhetik und Ausdruck, die kraftvoll aus allen Motiven, die nur teils in Farbe sind, spricht. Auch der Autor selbst, ein gelernter Klavierbauer, hat sich interviewen und fotografieren lassen. Die Männer decken vom Arbeiter über den Akademiker bis zum Privatier oder Rentner ein breites, gesellschaftliches Spektrum ab.

Durch alle Interviews ziehen sich dieselben Themen: Männer wollen nicht auf ihre vermeintlich triebhafte Sexualität reduziert werden; sie leiden unter den Stereotypen, die man ihnen zuschreibt; sie beschreiben ihre Verletzlichkeit rund um das Thema Sexualität und Erektion/Penetration und sprechen über ihre Sehnsüchte, Erwartungen und Wünsche, die sie an Frauen, Mütter, Partnerinnen haben.

Wer Bartels in einer Lesung erlebt, die bereits kurz nach Erscheinen des Werks Pandemie-bedingt lange nicht möglich war, spürt, hört und sieht einen verletzlichen Mann von 1,95 Metern Größe, den das Thema seit früher Kindheit zutiefst berührt. Mit immer wieder gebrochener Stimme, weil ihm dieses Thema und seine Rollenzuschreibung so nahe gehen, fragt er auch, wie uns Mütter mit ihren teils unerlösten Sehnsüchten und unsere oft abwesenden und schweigenden Väter prägen.

Der Autor, selbst verheiratet und Vater zweier Kinder, arbeitet aktuell an einer Variation. Dieses Mal werden 16 Frauen interviewt und fotografiert. Bartels Botschaft: Wir sind in aller erster Linie nicht Männer oder Frauen – sondern Menschen. Im Kontext der Metoo- und Genderdebatte ist Humannoid neben allem künstlerischen Anspruch vor allem ein politisches Statement, das zu Auseinandersetzung, Dialog und Bewußtheit beitragen will. Auflage: 2000. Preis: 39,95 Euro.

Ich habe Bartels im Rahmen des 39. Bundesweiten Männertreffens vorige Woche in Arendsee in der Altmark erlebt, wo ich selbst gestalttherapeutische Workshops anbot. Hier hielt der Autor eine sehr dichte Lesung und lud seine Zuhörer nach 45 Minuten zum Dialog ein, der intensiv angenommen wurde.

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