Beeindruckend und lesenswert: Die Biographie.

In Summe sind die gut 800 Seiten der Ludwig van Beethoven-Biographie etwas langatmig, aber die Essenz ist inspirierend. Bereits im Beethoven-Jahr 2020 hatte ich mir zum Ziel gesetzt, eine Biographie des genialen Komponisten aus Bonn (1770-1827) und Zeitgenossen von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubart (1797-1828) zu lesen, doch mein Zeitbudget und mein Stapel noch ungelesener Bücher verhinderten mein Ansinnen.

Gelesen habe ich aus dem Quartett der Biographien das Werk von Jan Caeyers aus dem Beck-Verlag mit dem Untertitel „Der einsame Revolutionär“. Zum einen, weil es mir von einem Freund empfohlen wurde, den ich als belesen sehr schätze, zum anderen, weil Caeyers nicht aus der Literatur, sondern der Musik kommt und sich somit fachlich dem Komponisten vermutlich am deutlichsten nähern und ihn würdigen konnte.

Was mir am augenfälligsten hängen blieb: Als Erstgeborener eines alkoholkranken Musikers hatte Beethoven, dessen „van“ auf eine flämische, nicht aber adlige Herkunft hinweist, schwierige Startbedingungen, zumal der Sohn erfüllen sollte, was der Vater an Anerkennung nie erreicht hatte. Und: Obwohl genial, durfte er seine adlige Geliebte nicht heiraten, weil die ständische Gesellschaft in Deutschland das noch immer verhinderte.

Geprägt durch diese Erfahrung und die Französische Revolution 1789 war Beethoven musikalisch wie politisch ein rastloser Revolutionär, der viele Liebschaften und Mäzene hatte, aber letztlich doch immer einsam blieb. Fasziniert haben mich der Fanatismus, mit dem er komponierte, und der Geschäftssinn, mit dem er seine Musik verkaufte. Dabei überwand er ständig Grenzen dessen, was bis dahin Standard war.

Dass etliche seiner Sinfonien bei deren Uraufführung durchfielen, war dem Umstand geschuldet, dass Beethoven oft noch am Tag vor der Premiere sein Werk umarbeitete, so dass die Musiker kaum Zeit hatten, das Stück einzustudieren. Hinzu kam, dass er so opulent komponierte, dass die 20 Berufsmusiker bei Hofe nicht ausreichten, so dass man Laienmusiker dazu holen musste, die erst recht nicht in der Lage waren, quasi vom Blatt zu spielen, was da stand.

Bis zu zehnstündige Proben verlangte der Komponist, der überwiegend in Wien wohnte, den Musikern ab, so Caeyers, die dann am Abend erschöpft noch die Uraufführung geben sollten. Mit Käse, Wurst, Brot, Wein und Bier, die Sponsoren herbeibrachten, so ist überliefert, wurden die Musiker während der Proben bei Laune gehalten, so dass am Abend mancher benebelt spielte.

Tragisch sind der Gehörverlust und vieles mehr, was Beethoven ertragen musste. So konnte er bald nicht mehr dirigieren, musste sich ganz aufs Komponieren verlegen und konnte auch kaum mehr Konversationen führen. Umso mehr helfen seine Notizenbücher beim Rekonstruieren seines Alltags, sowie umfangreiche Briefwechsel. Berührend, mich diesem Genie auf diese Weise genähert zu haben, dessen Stücke in leichter Fassung ich schon als Kind am Klavier gespielt hatte.

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