Hat für jede Unverschämtheit eine plausible Begründung: Karl-Heinz Rummenigge.

Mein herzlicher Glückwunsch an die Beachvolleyballerin Karla Borger. Mit ihrer Partnerin Julia Sude verzichtet die Profi-Sportlerin auf ihre Teilnahme am 8. März in Doha, der Hauptstadt Katars, wo es am Weltfrauentag (!) um Weltrangpunkte geht. Begründung: Die Athletinnen wollen sich nicht dem frauenfeindlichen Kleiderzwang der arabischen Veranstalter beugen. Das ist umso beachtlicher, dass seit einem Jahr Covid-19-bedingt ohnehin international viele Sportevents ausfallen, bei denen Profisportler – jenseits des Fußballs – Geld verdienen könnten.

Womit ich beim FC Bayern wäre, dessen Verantwortliche in ihrer Geldgier keine Gelegenheit auslassen, ihre Millioneninvestitionen, gemeint sind die Spieler, in Turniere zu schicken. Auch sie waren jüngst – während die ganze Welt im Lockdown verharrt und hunderttausende Kleingewerbetreibende um ihre berufliche Existenz bangen – in Katar, um an einer „Club-WM“ ohne jeden sportlichen Wert teilzunehmen. Menschen- und Frauenrechte werden bei diesen Gelegenheiten natürlich auch nicht angesprochen.

Sehr wohl aber getestet, wie nachgiebig (oder blöd?) die Öffentlichkeit ist, hat Karl-Heinz Rummenigge jüngst: Der Chef des FC Bayern, den ich als Weltklassefußballer mal echt geschätzt habe, wollte uns weiß machen, es sei günstig, nun erst mal die Profifußballer zu impfen. Das würde in der Gesellschaft Vertrauen stiften. Ehrlicher wäre, der 65-Jährige gibt zu, dass dann die Europapokalreisen leichter zu organisieren wären.

Logisch. Denn auch Borussia Mönchengladbach musste in der Champions League statt zuhause gegen Manchester City anzutreten, wegen des Einreiseverbots für Engländer nach Deutschland, in Budapest sein Heimspiel austragen. Zwar gilt laut Auswärtigem Amt Ungarn als Corona-Risikogebiet, aber dem Fußball ist das doch alles so etwas von egal. Dem Spitzentennis übrigens auch: Da kommt seit einem Jahr kein Australier mehr aus seinem Land heraus und niemand darf einreisen, aber für die „Australian Open“ durfte die Tenniselite aus der gesamten Welt samt Entourage einreisen.

Zu so viel Doppelmoral fällt mir nichts mehr ein. Da hätte ich mir von den Regierungen mehr Restriktion gewünscht. Aber vermutlich sagt man sich dort: „Gib‘ den (primitiven) Bürgern Brot und Spiele, dann haben sie ein bißchen Abwechslung und halten das Maul!“ Vermutlich ist es auch so. Meine Vision: Nach dem Lockdown gehen die Völker in Bibliotheken, lesen Philosophen, lernen Sprachen und gehen ins Theater. Und die Stadien blieben leer. Mann, wäre das cool.

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