Bundesweite Empörung über Tönnies: Aber weshalb? FOTOS: FROMM

Der Club of Rome hat schon vor Jahren formuliert, dass unser ökologischer Fußabdruck von elf Tonnen CO2 pro Person und Jahr für 500 Euro pro Mensch neutralisierbar wäre, wenn wir für das Geld Solarparks in Indien finanzieren würden. Diese würden dann regenerativ Sonnenstrom produzieren, der den Abbau und das Verbrennen von Torf zur Stromerzeugung überflüssig machte. Passiert ist das meines Wissens nicht.

Jetzt aber hat der Schalker Aufsichtsratschef sinngemäß dasselbe gesagt und eine Empörung rauscht durch Deutschland. Der Fleischfabrikant hatte gefordert, in Afrika jährlich 20 Kraftwerke zu bauen. Dann würde es aufhören, dass dort die Tropen gerodet werden. Und seinen zweiten Teil, „dann hören die Afrikaner auf, Kinder zu produzieren“, höre ich so ähnlich bei jedem 60. Geburtstag, wenn dem Mittelstand der Gesprächsstoff ausgeht und er die Weltpolitik diskutiert.

Denn faktisch ist die Bevölkerungsentwicklung in Afrika und weiten Teilen Asiens und Südamerikas ebenso problematisch wie das Konsumverhalten von uns Europäern und Nordamerikanern. Warum darf Tönnies das dann nicht öffentlich sagen? Mich haben zwei andere Punkte gestört, die aber nirgendwo in den Medien thematisiert wurden: Tönnies trägt mit seinem Geschäftsmodell der Schlachthöfe und Fleischgewinnung selbst massiv zur Umweltzerstörung bei.

Hinzu kommen immer wieder Nachrichten, er würde gegen das Tierwohl verstoßen, den Arbeitsschutz vernachlässigen, Mindestlöhne nicht einhalten etc. Das wären für mich Gründe, einem solchen Mann kein Ehrenamt im Sport zu geben, bei dem es um Fairness und Gemeinwohl geht. Und als Katholik und Theologe stört mich vor allem, dass er beim Zeugen von Kindern von „produzieren“ spricht. Damit wertet er Menschen als Produkte ab und er verleugnet den Schöpfergott, der Leben schenkt.

Das ist meine Empörung: Dass Männer dieser Geisteshaltung (wie ich mein Geld verdiene, ist egal; kein Respekt vor dem Zeugungsakt Gottes) gesellschaftliche Verantwortung tragen und von den Massen/Vereinsmitgliedern hofiert werden. Und es ist meine Empörung, dass offenbar alle Medien und Politiker denselben Reflex der vermeintlichen political correctness bedienen, der in Wahrheit zutiefst verlogen ist.

Wegen mir kann Tönnies sofort weitermachen: Er ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Und in unserer Doppelmoral, Widersprüchlichkeit und Verlogenheit haben wir keine besseren, also edleren, Führer verdient. Dasselbe gilt für die 2006 „gekauften“ Sommerspiele. Als ob es bei Spitzensport nicht schon seit Jahrzehnten primär um Geld ginge. Mein Gott, wie halte ich all den Stuss nur täglich aus!

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