Beispielsweise hier kauft man die beliebte Kommunikations- und Unterhaltungselektronik. Dass deren intensiver Gebrauch nicht nur ein großer Zeit-, sondern vor allem Stromfresser ist, machen sich die wenigsten Nutzer bewusst. FOTO: FROMM

Wäre das Internet ein Land, es hätte den weltweit sechstgrößten Stromverbrauch. Das sagt der Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl. Die Folge: Nach Flug- und Fleischscham kommt nun die Streamingscham. Denn allein die vielen niedlichen Katzenvideos auf Youtube, die so gerne versandt und geliked werden, verursachen beim Herunterladen Millionen Tonnen CO2, weil das Medium mit immer höherer Auflösung so energieintensiv ist.

Dasselbe gilt übrigens für Pornos und Netflix-Serien wie „Game of Thrones“. 2018 haben diese User weltweit 300 Millionen Tonnen CO2 produziert, schreibt die Wochenzeitung „der Freitag“ am 25. Juli in ihrem Wirtschaftsteil. Dort zitiert ist die französische Denkfabrik „The Shift Project“. 300 Mio. Tonnen entsprechen demnach einem Prozent des Welt-CO2-Ausstoßes – oder dem Jahresverbrauch Spaniens.

Erfasst hat die Studie emnach die Energiemengen für die eigentliche Datennutzung, auf die 55 Prozent der Emissionen entfallen, und den Betrieb der IT-Infrastruktur, also Server, Übertragungsantennen, W-Lan-Router oder Clouds, die 45 Prozent ausmachen. Die Studie trägt den Namen „Klima-Krise: Die nicht nachhaltige Nutzung von Online-Videos“. Der Grund: 80 Prozent des Stromverbrauchs entfalle auf den Internetverkehr von Videos.

Schlüsselt man diesen auf, resultierten die meisten Videos aus Unterhaltung und Werbeclips. Ein gutes Drittel seien Videos-on-Demand also Filme und Serien, die auf Plattformen wie Videoload oder Maxdome vertrieben werden. 21 Prozent entfallen auf Youtube, 18 Prozent auf Videos in sozialen Netzwerken. Und mit 27 Prozent rangiert Pornographie inhaltlich demnach auf dem zweiten Platz.

Als Konsequenz rufen die Macher der Studie zu digitaler Enthaltsamkeit auf. Denn zehn Stunden Bewegtbilder in D-Qualität streamen, erfordert laut „The Shift Project“ mehr Bits und Bytes as alle Artikel der englischsprachigen Wikipedia zusammen. Laut SVOD-Tracker der Gesellschaft für Konsumforschung haben die Deutschen im ersten Quartal 2019 gut 1,2 Mrd. Stunden mit Serien- und Filmkonsum aus dem Internet verbracht. Und 22,7 Mio. Deutsche haben kostenpflichtige Streamingdienste abonniert – 1,8 Mio. mehr als drei Monate zuvor.

Und weltweit passiert dasselbe, weshalb der Stromverbrauch zuletzt um 25 Prozent binnen eines Jahres stieg – demnach auch der CO2-Ausstoß. Analog TV schauen, wäre die energiesparende Alternative. Eine Untersuchung der New York Times belegte, dass bei digitalen, werbefinanzierten Nachrichtenportalen viermal mehr Datenvolumen für Werbung verbraucht wird statt für die Nachrichten an sich.

Jetzt sollen Rechenzentren solar gekühlt werden und digitale Hygiene oder Clouds die Effizienz steigern, aber ein CO2-Emitent wird das Internet immer bleiben. Google will nun Wind- und Solarparks mit einer installierten Leistung von 3,5 Gigawatt bauen. Auch Facebook und Apple kündigen solche Schritte an. Aber warum erst jetzt? Die Suchmaschine Ecosia spendet schon länger 80 Prozent ihrer Erträge für ein Aufforstungsprogramm.

In Tansania hat das Unternehmen sieben Millionen Bäume gepflanzt, 15 Millionen sollen es werden. Dagegen setzt Amazon als Oberkapitalist primär auf Kohle- und Atomstrom, 17 Prozent sind dort regenerativ. Und da etwa Netflix viele seiner Angebote über Amazon-Server vertreibt, ist das von zentraler Bedeutung. Greenpeace-Mann Schinerl: „Wenn Amazon, Netflix und andere nicht schnell und konsequent auf erneuerbare Energien umsteigen, werden sie zur Schmuddelecke im Klimaschutz.“ Ich wünsche gute Unterhaltung.

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