Analytisch starker Kritiker: Jonathan Franzen im Spiegel-Interview. FOTO: FROMM

Eine Generalabrechnung mit dem Silicon Valley und insbesondere dem Online-Händler Amazon macht der US-Schriftsteller Jonathan Franzen aus dem kalifornischen Santa Cruz. Der radikale Gegner dieser Tech-Konzerne hat sogar eine Hassliste von Google, Apple, Facebook & Co. erstellt. Im Spiegel 22/2019 hat er ein Interview gegeben, in dem er seine Haltung begründet.

Demnach propagieren die Internetkonzerne, Communities zu schaffen. Aber tatsächlich spalteten die Tech-Millionäre die Gesellschaft, in dem sie die Immobilienpreise in die Höhe jagen, alt eingesessene Bewohner verdrängten und privatisierte Enklave schafften. Entsprechend empört sich Franzen über die Versprechen der Internetgiganten von digitalen und universalen Demokratien, Partizipation und ähnlichen Verheißungen.

Kernkritik des wohl bedeutendsten US-Schriftstellers der Gegenwart, laut Spiegel: Das Internet löst Konsumentenprobleme und optimiert den Alltag mit Google Maps und Datingportalen, trägt aber nichts bei, den Klimawandel zu stoppen, die Umweltzerstörung, das Artensterben oder die Energieprobleme zu lösen. Dagegen hätten die Internetfirmen viele Probleme erst verursacht.

Etwa das Sterben der Printmedien, der Faktenrecherche oder der Diskussionskultur. Erst die sozialen Medien hätten die Gesellschaft gespalten und einen US-Präsidenten wie Donald Trump möglich gemacht, der die Wahrheit verdreht und mit Fakenews die Bevölkerung täuscht und verblödet. Durch allerlei IT-Hilfen wie Übersetzungsprogramme verarme die Sprache und der Mensch verliere die Orientierung in fremden Kulturen.

„Das Silicon Valley betrachtet den Menschen als Mängelwesen, dessen Unzulänglichkeiten sich mit seinen Produkten beheben lassen,“ kritisiert Franzen im Spiegel-Interview. Tatsächlich aber habe es eine philosophische und spirituelle Dimension, mit der eigenen Begrenzung leben zu lernen. Die Tech-Konzerne hätten aber keine Antwort auf den Tod, während Religion, Philosophie oder Weltliteratur und Kunst diese hätten.

Als Konsequenz hat der Humanist eine „Hassliste der bösesten IT-Konzerne“ erstellt. Microsoft und Google liegen demnach auf hinteren Plätzen, weil sie sich um Verantwortung bemühten. Apple rangiert auf Rang drei, weil die Firma vergleichsweise achtsam mit Privatsphäre und Datensicherheit umgehe. Dafür hasst Franzen deren Arroganz.

Amazon steht dagegen vor Facebook auf Platz eins. Facebook deshalb, weil es gnadenlos Mitbewerber aufkauft und das Kommunikationsklima vergifte. Andererseits sei die Firma relativ leicht ersetzbar, wenn eine Alternative entstehe. Zu Amazon aber gebe es keine Alternative, weil das Unternehmen monopolistische Strukturen zementiert und alle Händler töte.

Die Stufe, die danach komme, nennt Franzen die „Kundenvergewaltigung“. Diese sei dann erreicht, wenn es nur noch den Monopolisten gibt, der dann nach Belieben die Preise festsetzt und die Renditen nachholt, die er bislang nicht hat, weil aller Ertrag in das Wachstum, das Töten und den Ausbau der Strukturen gehe. Franzen, der um den Primat der Politik fürchtet, sieht nur die Chance, Amazon in zwölf Teile zu zerschlagen, die sich dann unter Waffengleichheit gegenseitig Konkurrenz machen.

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