Stehen für die Energiewende in Schorndorf: Die Aktivisten der Klimaschützer. FOTOS: RENZ

Die 15 Bürgerinnen, die aktuell den „harten Kern“ der Schorndorfer Klimaschützer bilden, haben sich am Samstag im ZiB zu einer Klausur getroffen, um ihre Gruppendynamik zu reflektieren, das zweite Halbjahr zu planen und künftige Handlungsfelder zu besprechen. Zur Moderation hatten sie mich dazugeholt, weil ich gleichermaßen von Politik, Umweltschutz und Gruppendynamik viel verstehe. Entsprechend hilfreich war wohl mein externer Blick.

Für die Gruppe, die sich Pandemie-bedingt seit einem Jahr nur online getroffen und deren Kampagnenfähigkeit unter all den Versammlungsverboten gelitten hatte, waren die sieben konzentrierten Stunden ein Highlight, sich wieder persönlich zu sehen, die Verbundenheit zu spüren und die Zuversicht zu teilen, dass ab jetzt auch wieder große Veranstaltungen in Präsenz möglich seien.

Zugpferd und Stimme der Schorndorfer Klimaschützer: Dörte Schnitzer.

Immerhin haben es die Klimaschützer geschafft, im Gemeinderat im März einen Beschluss herbeizuführen, wonach die Kommune mit ihren 40.000 Einwohnern bis 2035 klimaneutral sein will. Seither gibt es im Rathaus eine Stabsstelle der Klimaschutzbeauftragten, die sich regelmäßig mit den Klimaschützern um Dörte Schnitzer (Sprecherin), Wilhelm Pesch und Sabine Kraus abstimmt. So fand erst vorige Woche ein gut einstündiges Zoom-Meeting mit mehreren Fachbereichsleitern der Verwaltung und einem externen Referenten der Kirchheimer Firma Feess zum Thema Recycling im Hochbau statt, zumal die Kommune via Ausschreibungen hier Vorgaben machen kann.

In einer Runde ging es am Samstag darum, dass jeder sein wöchentliches Engagement in Stunden quantifizieren und mit einer Prozentzahl bzgl. seiner Auslastung bewerten sollte. Hier wurde schnell klar, dass sich jeder nur sehr unterschiedlich einbringen kann und dass somit zwei Stunden pro Wochen bei einer alleinerziehenden Mutter ebenso 100 Prozent entsprechen können wie bei einem Rentner der zehnfache Zeitaufwand.

Kooperation ist auch Beziehungsarbeit: Die Schorndorfer stellen sich auch der persönlichen Herausforderung.

Zu klären waren die drei, vier Fälle, in denen sich Ehrenamtliche zu bis zu 150 Prozent belastet fühlten. Über das Verfahren konnte auch identifiziert werden, wer noch freie Kapazitäten hat; dass das Informationsmanagement aller Akteure noch selektiver erfolgen kann und dass manche Arbeit ab sofort auch schlicht liegen bleibt bzw. entfällt, um niemandem die Freude an seinem Engagement zu nehmen. Gerade an diesen Stellen konnte ich wohl hilfreich klären helfen, dass Erwartungen von außen an Dritte oder persönliche Vergleiche den Teamgeist eher beschädigen.

Beeindruckend war, wie ernsthaft und wertschätzend die Mitglieder quer durch alle Generationen und Bildungshintergründe miteinander umgingen und sich nicht nur auf der Sach-, sondern auch der Beziehungsebene austauschten. Eine solche Atmosphäre dürfte einladend wirken auf bislang noch Außenstehende und zeugt zugleich davon, dass wir nicht nur mit der Natur, sondern auch uns selbst achtsam und liebevoll umgehen sollten.

Am 7. Juli wird Dörte Schnitzer einen mit insgesamt 5000 Euro dotierten Umweltpreis für die Schorndorfer Initiative in Norddeutschland entgegennehmen. Am 30. Juli findet im Rahmen der „Klimawette“ ab Schorndorf eine Sternfahrt per Rad nach Waiblingen statt; am 14. September werden im Rahmen der Bundestagswahl alle Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien aus dem Wahlkreis zum Thema Umwelt befragt und am 9. Oktober schließlich tagt erstmals ein noch zu konstituierender Bürgerrat. Es lohnt also, immer wieder auf die Homepage der Klimaschützer zu gehen, die gleichfalls ehrenamtlich gepflegt wird.

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