Ein Ohr- und Augenschmauß: Groove Inclusion setzt neue Maßstäbe für den Begriff Leistung. FOTOS: FROMM

Die im Februar 2014 in Fellbach gegründete Bigband Groove Inclusion, in der unter Leitung von Musikprofis seither Behinderte einmal wöchentlich proben, hat am Samstag in der Schorndorfer Stadtkirche gastiert. Vermittelt hatte das Abendkonzert zugunsten der Dachstuhlsanierung der Kirche der Schorndorfer Alt-Stadt- und –Kreisrat Karl-Otto Völker.

Der Sozialdemokrat, der für seine Kreistagsfraktion im Verwaltungsrat der Kreissparkasse sitzt, hatte die knapp 30 Musiker aus Fellbach, Bietigheim oder Schorndorf vom 5. bis 11. September 2017 nach Jekaterinburg zum 1. Weltkongress für Inklusion begleitet. Die Sparkassenstiftung hatte die Reise finanziert, bei der die Big Band vor Teilnehmern aus 30 Nationen vier Mal auftrat und halb Rußland rockte.

In der Stadtkirche war davon einiges zu spüren. Bei Titeln der Prinzen, von Santana oder Lou Reed rockte der Sakralbau gut eine Stunde und groovten die Besucher. Bandleader Hans Fickelscher, der sich teils zwischen Rollstühlen seinen Weg durch die Jazzer bahnte, ließ zwischen jedem Stück zwei, drei Musiker zu Wort kommen.

Leichtigkeit: Gegen Ende des Konzerts legt der Posaunist (mit dem Rücken zum Betrachter) sein Instrument weg und tanzt mit den Besuchern zu den Klängen seiner Kollegen.

Erst so wurde deutlich, wer da alles wie behindert ist. Denn sehen konnte man dies längst nicht bei allen. Mit ihren Statements machten die Musiker spürbar, wie viel Lebensfreude und Teilhabe ihnen die Band, ihre Aufgabe darin, die wöchentlichen Proben in Fellbach und natürlich die Auftritte geben. So hat jeder Musiker auch Unterricht im Einzel an seiner Musikschule vor Ort oder bei einem der vier Profis, die bei Groove Inclusion mitspielen.

Da passt es gut, dass Posaunist Hans Kretschmer von Dr. Mablues seit diesem Januar dabei ist und auch mit einem Solo brillierte. Ansonsten scheinen die (Halb-)Profis zu gewährleisten, dass der Soundteppich stets gut ausliegt und den „Spielern mit Handicap“ damit die Sicherheit geben, sich zu zeigen und zu entfalten.

So wirft die Band sämtliche Klischees über Bord, weil etwa ein Behinderter zwar nicht melodiös sein mag, aber markant den Rhythmus hält mit seiner Melodika. Und eine andere tut sich mit dem Sprechen schwer, zaubert aber mit ihrer Violine ein exzellentes Solo in das Kirchenschiff.

Träger dieser glorreichen Formation ist die VHS Unteres Remstal e.V., unterstützt von der Diakonie Stetten und anderen Idealisten. Der Abend hat mir gezeigt, wie stark eine Gesellschaft zusammen halten kann, wenn alle ihre Mitglieder mit ein wenig Herz bei der Sache sind und nicht nur sich sehen, sondern auch die anderen. Deshalb hätte ich unserer Stadtgesellschaft noch mehr Zuhörer gewünscht.

 

 

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