Es ist wieder so weit: Frau Schwarz wird bei einer Abendveranstaltung angesprochen: „Ich freu mich schon so auf die nächste Ausgabe“, raunt ihr die Gastgeberin zu. Ein anderes Mal schreibt ihr jemand, ihr Blick auf die Welt und die Gesellschaft sei wertvoll und man teile ihn. Rückmeldungen wie diese erreichen die Unternehmerin immer wieder.
Seit über einer Dekade publiziert sie zweimal im Jahr eine Kundenzeitung, die an ihrem Wohnort an über 100.000 Haushalte verteilt wird. Ein Element dieses Corporate-Publishing-Produkts ist ihr Editorial: ein Kommentar, den sie zu gesellschaftlichen Anlässen verfasst – etwa zum Überkonsum und zur Wegwerfgesellschaft mit ihrer Ressourcenverschwendung. Oder dazu, wie sie junge Menschen erlebt, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben oder nach dem Studium den ersten Job suchen.
Mir geht es ähnlich: Neulich lag eine Postkarte im Briefkasten. Eine schön gestaltete Karte mit einem Olivenzweig als Motiv. Die Rückseite mit persönlichen Grußzeilen versehen – und zwar von Hand geschrieben. Sie stammt von einem Netzwerkpartner, der mich in meinem Büro besucht hatte. Ich habe sie zweimal gelesen. Und ich habe sie an meine Wand gepinnt. Sie hat einen Platz gefunden.

Genau das ist der Punkt, über den in der Debatte um das vermeintliche Ende von Print und Papier zu selten gesprochen wird: Was bleibt eigentlich, wenn alles andere weggewischt ist?
Das Haptische hat ein Gedächtnis
Die Postkarte ist mir wichtig, deshalb behalte ich sie. Er hätte mir auch eine Mail schreiben können. Die würde im digitalen Adressbuch landen und dort – irgendwo zwischen Terminen und Aufgaben – verschwinden.
Digitale Kommunikation ist schnell und günstig. Aber eben auch flüchtig. Sie erreicht viele, aber sie bleibt bei wenigen. Papier funktioniert anders. Es beansprucht Raum. Es erzwingt eine Entscheidung: wegwerfen oder behalten. Diese Entscheidung ist der eigentliche Wert.
Kundenmagazin: gelesen statt weggeklickt
Auch die Kundenzeitung von Frau Schwarz wird nicht weggeklickt. Sie liegt. Auf den Schreibtischen in den Firmen, oft über Wochen. Gerade weil gedrucktes Material selten geworden ist, fällt es wieder auf.
Ein Vorbehalt gehört hierher, sonst wäre dieser Text unehrlich. Print stirbt so wenig wie das Kino, der Rundfunk oder das Theater – obwohl sie längst totgesagt sind. Aber: schlechtes Print hat keine Zukunft. Nicht im Journalismus und auch nicht als Corporate-Publishing-Produkt. Die Voraussetzung ist Qualität.
Das heißt: echter Journalismus statt Marketingsprech. Geschichten, die tragen und berühren. Erzähl etwas über deine Kunden und darüber, warum sie mit dir arbeiten. Ein Magazin, das nur Eigenlob in Hochglanz presst, landet zu Recht im Altpapier. Eines, das Menschen und ihre Geschichten ernst nimmt, bleibt liegen und wird gelesen.
Der Stolz-Effekt
Es gibt einen Moment, der sich digital kaum erzeugen lässt. Mitarbeitende nehmen ein gutes Kundenmagazin mit nach Hause. Sie zeigen es Familie und Freunden. „Seht her, hier arbeite ich.“ Ein PDF schafft das nicht.
Print stirbt nicht. Print wird selektiver. Wer glaubt, gedruckte Kommunikation sei überflüssig, verwechselt Reichweite mit Wirkung. Die Postkarte auf meinem Tisch, die Visitenkarte, das Kundenmagazin in den Büros – sie alle zeigen: Was man in die Hand nehmen kann, bleibt. Vorausgesetzt, es ist gut gemacht.
FOTO: Der Medienberater

